Deine Zukunft

Sekundarschulen und ihre Probleme

Sekundarstufe © rrrob - Fotolia.com

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In Berlin gibt es keine Haupt- und Realschulen mehr: Durch die kürzliche Umsetzung einer längst überfälligen Schulreform werden diese beiden Schulformen von Sekundarschulen abgelöst. An Sekundarschulen können die Schüler alle Abschlüsse bis zum Abitur machen – das allerdings nicht wie mittlerweile an Berliner Gymnasien üblich nach 12, sondern nach 13 Schuljahren. Schüler mit sehr unterschiedlichen Fähigkeiten sollen gemeinsam lernen und sich gegenseitig unterstützen. Das Dogma des “dummen Hauptschülers” soll endlich abgeschafft werden – zuletzt wurden an den unbeliebten Hauptschulen in Berlin nur noch sieben Prozent der Sechstklässler angemeldet. Ein interessanter pädagogischer Ansatz – aber geht er wirklich auf?

Viele Berliner Lehrer berichten, dass keinesfalls die starken Schüler die Schwachen mitziehen: Ganz im Gegenteil soll es häufig vorkommen, dass die schwachen Schüler die Stärkeren herunterziehen und für einen trägen und sehr langsamen Unterricht sorgen. Viele Lehrer bemängeln, dass es an Lehrern, Nachmittagsbetreuungs-Angeboten und inhaltlicher Unterstützung fehlt. Zwar gab es eine Fortbildung für von der Schulreform betroffene Lehrer, doch davon ließe sich – so eine Lehrerin – nichts direkt im Unterricht umsetzen.

Der Berliner Senat hat seinen Schulen viel Freiraum gelassen, was die Umsetzung der Schulreform angeht: So können diese etwa selbst entscheiden, ob alle Kinder dieselben Aufgaben bekommen, ob es individuelle Aufgaben im gleichen Unterrichtsraum gibt oder gleich in getrennten Klassen unterrichtet wird. Eine Neuköllner Schule möchte jetzt etwa beantragen, dass sie ihre Schüler je nach Wissensstand und Motivation in Grund- und Erweiterungskurse einteilen darf – damit wäre man wieder bei Haupt- und Realschulen, nur die Bezeichnungen würden sich verändern.

Hinter diesem ganzen Hick Hack verbirgt sich ein großes Problem: Viele Eltern von stärkeren Schülern nehmen diese von den Sekundarschulen, um ihnen auf einem Gymnasium eine bessere Förderung bieten zu können. So könnten die Anmeldezahlen der Sekundarschulen ganz schnell im Keller sein – und diese das Image einer “Restschule” abbekommen, das ja eigentlich mittels der Schulreform verabschiedet werden sollte.

Baden-Wuerttembergs Schulen unter Druck

 

© oliviaolivia80 - Fotolia.com

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Wer von Ihnen ist wirklich gerne zur Schule gegangen? Nur ehrliche Antworten werden gewertet. Die Schüler des Bundeslandes Baden-Württemberg würden gegenwärtig wahrscheinlich größtenteils mit „nein“ antworten. Sie erleben eine Schulreform nach der nächsten. Zuletzt wieder nach dem Regierungswechsel im Frühling diesen Jahres. Ein drastischer wohl gemerkt. Das einst Schwarze regierte Bundesland wird nun von einer Grün-Roten Koalition regiert. Diese Regierung verfolgt andere Maxime, also auch eine andere Schulpolitik.

Was der Auslöser für die nächste Reform wird den Schülern und Eltern des Bundeslandes aber mittlerweile wohl herzlich egal sein. Sie fühlen sich, als würde ihr Schulsystem alle fünf Jahre komplett umgekrempelt. Auf einer Informationsveranstaltung zur aktuellen Schulentwicklung wurde das Problem mit den Worten „Wir möchten nicht, dass unser Bundesland ein einziger Schulversuch wird“, wohl sehr treffend auf den Punkt gebracht. Ausgesprochen wurde er vom Präsidenten des Kommunalverbandes Roger Kehle und wendete sich direkt an die Kulutusministerin des Bundeslandes Gabriele Warminski-Leitheußer (SPD).

Ziel der neuen Schulpolitik sind die Abschaffungen der Hauptschule als solches. Sie soll umbenannt werden zur Werksrealschule. Realschule und Gymnasium werden erhalten bleiben, bekommen aber Konkurrenz von den geplanten Gemeinschaftsschulen. In diesen soll auf Real- und Hauptschulniveau gelehrt werden, in Einzelfällen sogar auf gymnasialen Niveau. Des Weiteren sind kleinere Klassen von maximal 20 Schülern geplant, in den Werksrealschulen sogar nur 16. Die Lehrer sollen sich besser um jeden einzelnen Schüler kümmern können.

Diese Ziele werden größtenteils auch auf Bundesebene verfolgt. Das Stigmata des Hauptschülers soll abgeschafft werden, die Gemeinschaftsschule will für größere Möglichkeiten zur Leistungssteigerung innerhalb einer Schule sorgen. An sich eine lobenswerte Idee, jedoch wäre es wünschenswert, so etwas in einem Rutsch umzustellen und nicht Jahr für Jahr leicht veränderte Reformen durch den Landtag zu boxen.

Das Bafoeg

Bafög, Foto von jon|k/flickr.com

Bafög, Foto von jon|k/flickr.com

Das BAföG wird 40 Jahre alt – zu seinem Geburtstag soll es völlig reformiert werden. Im Laufe der vier Jahrzehnte haben über vier Millionen junge Menschen das Fördergeld erhalten.

Damals stand die Frage im Zentrum der Aufmerksamkeit, wie eine Wirtschaftsnation seinen Nachwuchs fördern kann, um wettbewerbs- und konkurrenzfähig zu bleiben. In der damaligen Marktwirtschaft der Bundesrepublik galt das Ideal, Erfolg nur durch die alte preußische Tugend Fleiß zu erreichen. Daher gab es zwar Stipendien und Förderprogramme für Studenten, jedoch nur für solche, die Spitzenleistungen erbrachten. Somit blieb vielen Schülern aus ärmeren Familien der Zutritt zur Universität verwehrt. Am 1. September 1971 trat dann das Bundesausbildungsförderungsgesetz in Kraft. Aus diesem entwickelte sich dann kurz das BAföG. Vor allem die Studenten der 60er-Jahre hatten auf dieses Gesetz gepocht, immer unter der großen Forderung „Bildungssolidarität“. BAföG hatte und hat bis heute viele Gesichter: mal erhält man es als Zuschuss, mal ist es ein zinsfreier Kredit, jedoch ist die Höhe und die Zuteilung des Geldes immer abhängig vom Einkommen der Eltern. Natürlich gab es immer Kritik: dem einen war es zu wenig, die anderen fanden es gäbe zu viel Geld, manche waren der Meinung, es solle gänzlich abgeschafft werden. Selbst Prominente wie Thomas Gottschalk haben sich ihre akademische Ausbildung vom BAföG finanziert. Im Durchschnitt 443 Euro erhalten zur Zeit deutsche Studenten. Allerdings kommt derzeit wieder eine politische Spannung zwischen Solidarität und individueller Leistung auf. So wurde vor kurzem das sogenannte Deutschland-Stipendium eingeführt, das Studierende mit super Leistungen fördert. Es scheint, als ginge der Trend wieder hin zur „Begabtenförderung“. Dies würde jedoch schwere Folgen für die kommenden Generationen Studenten haben. Bereits jetzt sind Einschnitte zu spüren, und das, obwohl die Regierung vor kurzem den BAföG-Höchstsatz angehoben hat. So soll demnächst die Schuldenerlassung bei guten Noten wegfallen.

Unsere Bildungspolitik so schlecht wie nie

Bildung, Foto von fileccia/flickr.com

Bildung, Foto von fileccia/flickr.com

Von der Bildungsrepublik Deutschland ist nichts zu sehen. Bürger stellen den Kultusministern ein schlechtes Zeugnis aus und vor allem im Osten zeigt man sich unzufrieden mit dem Bildungssystem.

Man sehnt sich nach einem einheitlichen Schulsystem, mehr Ganztagsschulen, einer Ausbildungsgarantie und vor allem nach Chancengleichheit. Doch dazu fehlt scheinbar der Einsatz der Schulminister. Das ergab eine bundesweite Umfrage, bei der die befragten dem Schulsystem einen gerade einmal ausreichenden Durchschnitt von 3,7 gaben.

480 000 Menschen beteiligten sich an der Studie, wobei die Thüringer sogar nur eine Durchschnittsnote von 3,9 vergaben. 83 Prozent von ihnen werfen den Entscheidungsträgern in der Politik fehlenden Willen zur Veränderung des Bildungssystems vor. Mehr vertrauen als alle anderen Bundesländern zeigen sie jedoch gegenüber den Lehrern. Mut zu Veränderungen und Reform wird denen von 63 Prozent zugesagt.

Nur 17 Prozent der Befragten halten die Konkurrenz zwischen Bundesländern als Weg zu höherer Qualität im Bildungswesen, alle restlichen halten gerade dies als größtes Hindernis für eine Reform. Die Thüringer dagegen fordern mit 97 Prozent ganz deutlich einheitliche Abschlussprüfungen für alle Bundesländer und liegen damit 5 Prozent über dem Bundesdurchschnitt.

80 Prozent der Befragten ziehen die Ganztagsschule vor, nur jeder Fünfte bleibt der Halbtagsschule treu. Gehört dazu in Thüringen nur jeder Zehnte, handelt es sich in Bayern rund um ein Viertel der Teilnehmer.

Auch der Hauptschule mangelt es an Zuspruch in der Bevölkerung, wobei etwa drei Viertel davon ausgehen, mit einem Hauptschulabschluss den Anforderungen der Gesellschaft nicht zu reichen. Dieses Vertrauen erreicht vor allem in Hamburg und Hessen den Tiefpunkt, wo nur jeder Fünfte an die Zukunft dieser Schulform glaubt.

Die Bürger wollen einen strukturellen Wandel im Bildungswesen. So wird beispielsweise von zwei Drittel der Befragten in ganz Deutschland ein späterer Übergang auf die weiterführenden Schulen gefordert. Einzig die Hamburger zeigen sich mit 44 Prozent zufrieden..

Die Studie verrät jedoch auch, dass 73 Prozent der Befragten auch bereit wären, für gute Bildung, mehr Geld zu zahlen.

Sekundarschulen als neues Zukunftsmodell?

Unterricht, Foto von fileccia/flickr.com

Unterricht, Foto von fileccia/flickr.com

Die Schulministerin NRW’s Sylvia Löhrmann sieht in dem Modell der Sekundarschule die Zukunft. So beschreibt Löhrmann, dass sich in dieser Schule eine Vielzahl an bekannten Elementen von alten Schulformen wiederfinden und diese neu vereinbart und optimiert sind. Außerdem ermöglicht die Sekundarschule den Schülern eine zukunftsfeste Schule in der alle Kinder willkommen sind.

So soll nach der Sommerpause eine Gesetzesnovelle in den Landtag eingebracht werden. Diese wird auch von der oppositionellen CDU getragen und soll somit auch mitwirken, dass es für zwölf Jahre einen “Schulfrieden” gibt. So würden erstmalig integrierte Schulformen in die Verfassung aufgenommen werden.

So umfasst die Sekundarschule die Jahrgänge fünf bis zehn. Außerdem arbeitet sie mit einer Oberstufe des Gymnasiums, eines Berufskollegs oder einer Gesamtschule zusammen, sodass die Möglichkeit des Abiturs gegeben ist.

So gab die Ministerin auch zu, dass der Unterschied zwischen der Sekundarschule und den bestehenden Gesamtschulen nicht so groß sei, da das Angebot ähnlich ist. Jedoch kann die Sekundarschule bereits mit drei Klassen gegründet werden und nicht erst mit vier in einem Zug. Dies ist vor allem für Schulen in ländlichen Gegenden ein immenser Vorteil, da Schulen so nicht vor einer Schließung fürchten müssen. Des weiteren werden die Sekundarschulen keine gymnasiale Oberstufe haben, sondern verbindlich mit einer Oberstufe des Gymnasiums zusammen arbeiten.

Es soll auch die Hauptschulgarantie aus der Verfassung gestrichen werden. So möchte die Ministerin auch deutlich machen, dass sie für den Beibeihalt eines gegliederten Schulsystems ist. So möchte sie aber auch auf keinen Fall Schulen und Schulformen gegeneinander ausspielen, sondern viel mehr den Elternwillen stärken. So sollen Eltern selbst entscheiden können, ob sie ihr Kind lieber auf eine Sekundarschule oder doch auf ein Gymnasium schicken möchten.

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